AdGuard Home – was ist das eigentlich und wie funktioniert es?
Ich bin irgendwann über AdGuard Home gestolpert und fand die Idee zunächst ziemlich interessant, aber auch ein bisschen verwirrend. Ein kleines Programm im eigenen Netzwerk, das Werbung und Tracker blockieren kann – ohne dass man auf jedem einzelnen Gerät einen zusätzlichen Werbeblocker installieren muss. Aber wie funktioniert das eigentlich?
Im Grunde sitzt AdGuard Home zwischen den Geräten im eigenen Netzwerk und dem Internet – genauer gesagt bei den DNS-Anfragen. Wenn ein Smartphone, Fernseher oder Computer eine Webseite aufrufen möchte, muss das Gerät normalerweise zuerst herausfinden, zu welcher IP-Adresse eine bestimmte Internetadresse gehört. Dafür wird ein DNS-Server gefragt.
Genau an dieser Stelle kommt AdGuard Home ins Spiel.
Statt dass beispielsweise der Computer direkt den DNS-Server des Internetanbieters verwendet, kann man im eigenen Netzwerk AdGuard Home als DNS-Server eintragen. Eine Anfrage wie example.com wird dann zuerst von AdGuard Home verarbeitet. Ist die angefragte Domain unproblematisch, wird die Anfrage an einen sogenannten Upstream-DNS-Server weitergeleitet und die Antwort kommt zurück.
Steht die Domain dagegen auf einer Blockierliste, antwortet AdGuard Home nicht mit der eigentlichen Adresse. Die Verbindung zu dieser Domain kommt dadurch gar nicht erst zustande.
Das Interessante daran ist, dass das Ganze auf Netzwerkebene funktioniert. Es spielt also keine große Rolle, ob die Anfrage von einem Windows-PC, einem Smartphone, einem Tablet oder beispielsweise einem Smart-TV kommt. Solange das Gerät den DNS-Server von AdGuard Home benutzt, kann die Anfrage dort geprüft werden.
Ich finde gerade diesen Ansatz ziemlich elegant. Man muss nicht auf jedem Gerät einzeln irgendwelche Filterlisten pflegen. Stattdessen gibt es einen zentralen Punkt im eigenen Netzwerk.
AdGuard Home auf Raspberry Pi
Typischerweise läuft AdGuard Home beispielsweise auf einem kleinen Raspberry Pi, einem Mini-PC, einem NAS oder einem anderen Gerät, das dauerhaft im Netzwerk laufen kann. Die Hardware muss dabei gar nicht besonders leistungsfähig sein. AdGuard Home benötigt vergleichsweise wenig Ressourcen.
Nach der Installation öffnet man die Weboberfläche und kann dort unter anderem sehen, wie viele DNS-Anfragen im Netzwerk gestellt wurden und wie viele davon blockiert wurden. Dadurch bekommt man plötzlich einen ziemlich interessanten Einblick in das eigene Netzwerk.
Man sieht beispielsweise, dass ein Gerät wesentlich mehr Anfragen stellt, als man erwartet hätte. Gerade bei Smart-TVs oder anderen Geräten kann das manchmal überraschend sein.
Natürlich sollte man dabei nicht den Eindruck bekommen, dass AdGuard Home plötzlich sämtliche Werbung im Internet verschwinden lässt. Es arbeitet hauptsächlich auf DNS-Ebene. Werbung, die von derselben Domain wie die eigentlichen Inhalte kommt, kann damit beispielsweise nicht immer herausgefiltert werden. Auch bestimmte Arten von Werbung innerhalb von Apps lassen sich dadurch nicht zuverlässig blockieren.
Trotzdem kann schon einiges herausgefiltert werden. Besonders praktisch finde ich die Möglichkeit, eigene Blockier- und Erlaubnislisten zu verwenden. Wenn eine Domain versehentlich blockiert wird und dadurch eine Webseite oder ein Gerät nicht mehr richtig funktioniert, kann man sie gezielt wieder freigeben.
Ein weiterer Punkt, den ich spannend finde, ist die Möglichkeit, verschiedene Geräte oder Gruppen unterschiedlich zu behandeln. Man kann also beispielsweise bestimmte Regeln für normale Geräte verwenden und andere Regeln für ein bestimmtes Gerät festlegen.
Bei der Einrichtung sollte man allerdings ein bisschen aufpassen. Wenn AdGuard Home der DNS-Server für das gesamte Netzwerk sein soll, muss man dafür sorgen, dass die Geräte ihn auch tatsächlich verwenden. Das lässt sich häufig über den Router beziehungsweise den DHCP-Server einstellen.
Das Prinzip ist also eigentlich gar nicht so kompliziert:
Gerät im Netzwerk
↓
DNS-Anfrage
↓
AdGuard Home
↓
Domain prüfen
↓
blockieren oder weiterleiten
↓
DNS-Antwort
Was mir an AdGuard Home besonders gefällt, ist deshalb weniger die einzelne blockierte Werbung, sondern die zentrale Kontrolle. Einmal vernünftig eingerichtet, profitieren viele Geräte im Netzwerk davon, ohne dass man jedes Gerät einzeln konfigurieren muss.
Gleichzeitig sollte man sich aber bewusst sein, dass AdGuard Home kein vollständiger Ersatz für einen Browser-Werbeblocker ist und auch keine allgemeine Sicherheitslösung darstellt. Es verhindert nicht automatisch jede Schadsoftware und schützt auch nicht davor, auf einen gefährlichen Link zu klicken.
Für mich ist es eher ein zusätzlicher Baustein: DNS-Anfragen werden zentral gefiltert, bekannte Werbe- und Tracking-Domains können blockiert werden und man bekommt nebenbei einen besseren Überblick darüber, was im eigenen Netzwerk passiert.
Und genau deshalb finde ich das Projekt so interessant. Es ist technisch eigentlich ziemlich einfach aufgebaut, kann aber trotzdem einen spürbaren Unterschied im heimischen Netzwerk machen.
Mich würde interessieren, wer hier AdGuard Home bereits im eigenen Netzwerk laufen hat. Läuft es bei euch auf einem Raspberry Pi, einem NAS oder einem kleinen Server? Und habt ihr nach der Einrichtung tatsächlich einen Unterschied bemerkt?